PHILOSOPHIE

Uns fasziniert, dass das Wissen des Designers maßgeblich dazu beitragen kann, die Menschen aufzuklären.

VISUALISIERUNG
DES UNSICHTBAREN

Der Designer übernimmt gegenüber der Gesellschaft ein hohes Maß an Verantwortung, Loyalität und Ehrlichkeit. Die Gesellschaft verlangt nach Aufklärung und Transparenz. Sie möchte wissen, woher ihre Produkte stammen und ob eine Produktion nachhaltig, ressourcenschonend und fair abläuft. 
 
Lutz Lavit schloss 2017 sein Studium in Kommunikations- und Produktdesign mit dem Master ab. Er beschäftigte sich während seines Studiums mit der Frage, wie man schwer erkrankten Menschen am besten helfen kann: Indem man die behördlichen und verwaltungstechnischen Aufgaben, die der Patient zu bewältigen hat, in einem technologischen Tool zusammenstellt. Das Tool sollte ein personalisierter Begleiter für den Patienten sein, der alle wichtigen Details über seine Krankheit miteinander verknüpft. Darunter auch alle Befunde, Röntgen-, MRT-Aufnahmen, etc., um Transparenz gegenüber dem Patienten zu schaffen und dem Arzt zu ermöglichen, seine Gutachten zu präzisieren. 
 
Präzisieren und Transparenz gegenüber dem Patienten, waren die Stichwörter: Wer weiß schon genau, was der Arzt auf Bildern der Röntgen-, MRT- und Elektronenmikroskopieaufnahmen alles sieht? Wie entstehen diese Bilder, und überhaupt: Ist das alles so objektiv, wie die Wissenschaft vorgibt zu sein? Mit Bildern wird in der Werbung seit jeher kräftig Meinung gemacht. Diese sind oft stark manipuliert, sodass jeder weiss, dass die Frau auf dem Plakat nur durch Photoshop geboren wurde – aber ist das auch in der Wissenschaft der Fall? Hier herrscht doch Objektivität. Was eigentlich nur bedeutet, dass man die Ergebnisse so darstellt, wie sie wirklich sind. 
 
Aber das ist weit gefehlt. Die DNA-Doppelhelix, die die Biochemiker Francis H. Crick und James D. Watson 1953 der Öffentlichkeit vorstellten, ist bis heute nicht bewiesen, obwohl die wissenschaftliche Forschung durchaus andere Visualisierungen hervorgebracht hat. Wie eine Zelle funktioniert, können wir nicht sagen, und aus der Physik und Biologie fehlen uns 95 % der Masse des Universums, die wir nicht objektiv mit den uns zur Verfügung stehenden Beschreibungsmethoden von Sprache, Symbolik und Mathemathik beschreiben können. Wissenschaftliche grafische Darstellungen sind daher unabdingbar, um einen Sachverhalt nicht zu komplex und langatmig zu beschreiben. 
 
Einen Prozess, in dem wir versuchen, ein Regelwerk zu definieren, und damit eine objektive Sprache entwickeln, nennen wir Modellierung. Oft ist diese Regulierung ein grafisches Abbild oder ein dreidimensionales Konstrukt, welches durch die Zusammenarbeit von Forschern und Gestaltern der Allgemeinheit präsentiert wird. Diese nehmen Einfluss auf die bildgebenden Verfahren, indem sie Proben präparieren oder Bilder manipulieren, um etwas Unsichtbares sichtbar werden zu lassen. Sie produzieren faszinierende Bilder, die tausende Datenpunkte in einem Bild verdichten, jedoch sieht die Maschine, z. B. ein Rasterelektronenmikroskop, zu keinem Zeitpunkt das gesamte Bild. Als Erkenntnisinstrument ermöglichen sie die Beschreibung wissenschaftlicher Sachverhalte.
 
Das Phänomen der wissenschaftlichen Darstellungsformen zeigt, wie sehr wir den Abbildungen glauben, besonders wenn sie uns mit ihrer Ästhetik bestechen. Abbilder, die Objektivität vortäuschen, in der Regel aber durch subjektive Interpretation und emotionale Komponenten bestechen.
 
Als Gestalter fasziniert uns die Visualisierung des Unsichtbaren, da wir Bildwelten mit bestechender Ästhethik erschaffen als Sehhilfe für unzugängliche und unsichtbare Welten.
 
Lutz Lavit